Schwarzbuch 2011 - Bund der Steuerzahler Deutschland e. V. - Wissenschaftszug entgleist auf „Expedition Stillstand“
Bund. Ein Sonderzug: 12 Wagons, 333 Meter lang, 480 Tonnen schwer, 1.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, zwei eigens gestaltete E-Loks, bei Bedarf eine weitere Diesellok. Das Bundesforschungsministerium ließ im Wissenschaftsjahr 2009 diesen aufwendig ausstaffierten Ausstellungszug 62 Städte in Deutschland ansteuern, um die Themen Wissenschaft und Forschung für die Bürger erlebbar zu machen. Umrüstung, Ausstattung und Bemalung des Zuges „Expedition Zukunft“ kostete die Steuerzahler einiges – genau gesagt 8.957.200 Euro, um von April bis November 2009 große und kleine Bürger von Kiel bis Konstanz mit geballtem Wissen zu beglücken. Neben den Ausrüstungskosten fielen weitere 3,5 Mio. Euro für den halbjährigen Betriebseinsatz an. Das teure Engagement, überwiegend aus Steuergeldern finanziert, sollte eigentlich auch 2010 und in den kommenden Jahren prestigeträchtig auf Expeditionstour ins In- oder Ausland gehen, so die ursprünglichen Ambitionen des Ministeriums. Doch die nur kurzfristig gedachte Einmottung des Zuges hat sich inzwischen zu einer „Expedition Stillstand“ gemausert. Seit zwei Jahren hat der Sonderzug keinen neuen Einsatz erfahren. Lediglich das Hin und Her auf der Suche nach einem kostengünstigen Parkplatz hauchte dem Zug mehrmals kurzes Leben ein. So harrte er schon in Berlin-Grunewald aus oder auf dem brandenburgischen Güterbahnhof Rehbrücke, wo er trotz Bewachung mit Graffiti verunstaltet wurde. Erst seit Anfang dieses Jahres fristet er kostenfrei sein rostiges Dasein auf einem Bundeswehrgelände in Brandenburg. Dass die für den Zug zuständige Max-Planck-Gesellschaft und vor allem die Ministerialen mit ihren hochtrabenden Ideen oft zu sehr auf den schnellen PR-Erfolg schielen und tragfähige Planungen für die Nachnutzung, vor allem wenn es sich um teure Beschaffungsinvestitionen handelt, zweitrangig scheinen, zeigt sich hier abermals. Alle erwartungsvoll geführten Gespräche mit Frankreich, Russland oder China über den dortigen Einsatz des Zuges stellten sich als Abstellgleis heraus. Was bleibt, ist ein wuchtiges Parkticket auf Kosten der Steuerzahler. Seit Einmottung fielen mehr als 500.000 Euro für Park- und Bewachungskosten an – nur für`s Rumdümpeln. In diesem Fall heißt Fortschritt also Stillstand und der Sonderzug kann als klare Fehlinvestition tituliert werden. 13,1 Mio. Euro stellte das Bundesforschungsministerium zur Verfügung, um dafür ein halbes Jahr Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das ist absurd. Die Steuerzahler dürfen wieder einmal die Rechnung bezahlen. Die Max-Planck-Gesellschaft, der die Ausstellungseinbauten gehören und die ein achtjähriges Nutzungsrecht für den Zug von der Deutschen Bahn erworben hat, plant jetzt, die Exponate auszubauen und in anderen Ausstellungen und Projekten wiederzuverwenden. Die Suche nach einem Nachnutzer für den Zug geht indes weiter …
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