Schwarzbuch 2011 - Bund der Steuerzahler Deutschland e. V. - Gesundheitsressourcen verschleudert

Gesundheitsressourcen verschleudert

Staßfurt. Die Schließung des Krankenhauses in Staßfurt hatte 2010 die Einwohner der Stadt und Umgebung auf die Palme gebracht. Sie gingen für den Erhalt ihres Krankenhauses sogar auf die Straße, mobilisierten ansässige Unternehmen und fanden bei der Stadt Unterstützung. Genützt hat das alles letztlich nichts. Das Krankenhaus, vom Landkreis geführt, ist zum größten Teil ausgeräumt. Die Immobilie steht leer. Nun fragt sich der sparbewusste Bürger, wie es dazu kommen konnte, es waren schließlich rund 40 Mio. Euro vorher in das Krankenhaus investiert worden. Die Antwort scheint erschreckend einfach: Zwei Gebietsreformen, strukturelle Planungsfehler und politische Fehlentscheidungen beim Landkreis.

Zur Vorgeschichte: Bei der Kreisgebietsreform 1994 wurden die beiden Landkreise Aschersleben und Staßfurt zusammengelegt. In beiden Orten existierten Krankenhäuser. 1997 fusionierten sie dann zur „Kreisklinik Aschersleben-Staßfurt“. Schon damals war klar, dass strukturelle Bereinigungen im Krankenhausbereich im neuen Landkreis unumgänglich sein würden. Das gab das zuständige Landesministerium dem Landkreis auch als Hausaufgabe mit. Doch eine „Neuordnung“ der Kliniklandschaft fand nicht statt. Im Gegenteil! Sowohl in Staßfurt als auch in Aschersleben wurden weitere zweistellige Millionenbeträge in neue Funktionsgebäude und OP-Säle gesteckt und deutliche Überkapazitäten aufgebaut, viel Geld auch für Gutachten und Konzepte zu künftigen Strukturen der Kreisklinik ausgegeben.

Letztlich wurde das größtenteils neu gebaute Krankenhaus in Staßfurt mit bester Anbindung und Infrastruktur, zentraler Lage und größtem Einzugsbereich an Einwohnern, Schritt für Schritt „ausgedünnt“, die Stationen und Fachbereiche nach Aschersleben verlegt. Ende 2010 kam dann das endgültige Aus.
Patienten werden jetzt in dem an der südlichsten Landkreisgrenze gelegenen Ascherslebener Krankenhaus betreut. Nicht nur sie fragen sich, wieso dieser Standort mit seinem stark sanierungsbedürftigen Gebäude aus wilhelminischer Zeit, ohne ausreichende Parkmöglichkeiten und mit fehlender Infrastruktur präferiert wurde. Eine Entscheidung, bei der nicht nur die Staßfurter von Steuergeldverschwendung sprechen.

Ende 2010 stand die Klinik Aschersleben-Staßfurt dann trotzdem kurz vor der Pleite, blieben doch potentielle Patienten aus dem Bereich Staßfurt aus, die sich nun in Schönebeck oder in Magdeburg behandeln ließen. Nur ein 5 Mio. Euro teurer „Rettungsschirm“ bewahrte sie vor dem Ruin. Inzwischen sind alle Krankenhäuser des Salzlandkreises so heruntergewirtschaftet, dass sie aus Sicht der Kreisverwaltung nicht mehr zu halten sind. Sie sollen verkauft werden.

Dass dabei allerdings die Kosten der öffentlichen Investitionen als Verkaufserlös wieder in die Kasse kommen, dürfte wohl niemand glauben. Es wird ein Minusgeschäft für den Steuerzahler!
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